Wotans Rechnung
Morgenlicht über einem grünen Tal. Zwei Ingenieure pflanzen ein kleines offenes Serverrack wie einen Setzling. Am Horizont glimmen die Ruinen der großen Halle.
Akt V — Morgenröte

Was nach dem Feuer wächst

Eine Offenlegung, bevor das Licht angeht: Ich schreibe das nicht von der Tribüne. Ich habe selbst Jahre auf einem Hort gesessen — Frameworks, Methoden, Modelle, sorgfältig gestapelt, eifersüchtig bewacht. „Ich lieg' und besitz'", sagt Fafner, „lasst mich schlafen." Ich kenne den Satz von innen.

Wagner lässt Fafner auf dem Hort sterben. Muss man aber nicht.

In der Edda steigt die Welt nach dem Ragnarök grün aus dem Meer. Die grüne Welt ist diesmal keine Metapher, sie hat ein Releasedatum: Einen Tag nach der US-Exportsperre stellte Peking GLM-5.2 frei ins Netz — offen, kostenlos, herunterladbar, im eigenen Rechenzentrum betreibbar. Der Anteil chinesischer Open-Source-Modelle am US-Token-Verkehr stieg binnen eines Jahres von viereinhalb auf zeitweise 46 Prozent. Und Orange-Chefin Heydemann zog im Handelsblatt die europäische Lehre: Man darf sich nie auf Modelle verlassen, die willkürlich abgeschaltet werden können.

Übersetzt heißt Morgenröte: offene Gewichte, eigene Racks, Verträge, die man versteht, und Kompetenz, die wieder im Haus wohnt statt auf der Rechnung. Sie ist unheroisch. Sie riecht nach Maschinenöl, nicht nach Weihrauch.

Ihr Held ist auch keiner. Monty Python hat ihn 1972 gesendet: In einer Welt, in der jeder ein Superman ist, ist der Held der Mann, der Fahrräder repariert.

Ich repariere, was andere kompliziert haben.