Wotans Rechnung
Rheintöchter aus Glasfaserlicht bewachen einen Hort goldener Tokens auf einem Serverrack, während eine bleiche Gestalt danach greift. Ein Ring fällt ins dunkle Wasser.
Akt I — Rheingold

Wie das Gold in den Konzern kam

Die Oper beginnt mit einem Vertrag, den nur ein Verzweifelter unterschreibt: Das Gold am Rheingrund kann nur schmieden, wer der Liebe entsagt. Alberich entsagt. Prompt.

Der Konzern-Alberich hat denselben Vertrag unterschrieben, nur in PowerPoint. Entsagt wurde den eigenen Leuten: dem Admin, der das ERP-System seit fünfzehn Jahren kannte, der Entwicklerin, die wusste, warum die Schnittstelle so heißt, wie sie heißt. Teuer, ja. Aber diese Kosten hatten eine Eigenschaft, die in keiner Kalkulation auftaucht: skin in the game. Wenn das Quartal scheiterte, saßen sie mit im Boot.

Getauscht wurde gegen das Gegenteil: eine Verbrauchsökonomie ohne Loyalität. Menschen raus, Tokens rein. Fixkosten mit Gesicht gegen variable Kosten ohne. Der Anbieter trägt null Downside — Anthropic fakturiert im Sekundentakt, egal wie das Quartal läuft.

Ende 2022 kam ChatGPT, es folgten zwei Jahre Schaufensterprojekte. Seit 2025 wächst die Technologie ernsthaft in die Unternehmen — und mit ihr die Frage, die am Rheingrund niemand gestellt hat: Was kostet das eigentlich, und in welcher Währung?

Das Gold ist beschafft. Der Fluch ist mitgeliefert, steht aber nicht auf dem Lieferschein.