Neun Schwestern, eine Aufgabe: gefallene Helden vom Schlachtfeld sammeln und nach Walhall tragen. Die Konzern-Walküren reiten mit Tagessätzen statt Speeren ein — AI Transformation Office, Readiness Assessment, Maturity Framework. Heroisch, laut, im Kostüm makellos.
Das Handelsblatt-Dossier vermisst ihr Schlachtfeld: Eine KPMG-Umfrage unter 2.100 Organisationen zeigt Unternehmen mitten in einer selbstverordneten „Transformationsphase" — bei manchen fünfzehn Monate und länger, in denen Projekte in der IT-Abteilung verankert bleiben und dort als Insellösungen enden. Beraterseitig hat der Zustand längst einen Namen: Tokenpanik. Erst wurde großflächig eingeführt, jetzt wird großflächig gebremst — jedes zweite Unternehmen hat KI-Agenten aus Kostengründen eingeschränkt, pausiert oder verzögert.
Die Walküren sammeln dabei keine Helden ein. Sie sammeln Folien. Und ihr Fluch ist derselbe wie in der Oper: Sie können nur einsammeln, was schon gefallen ist. Verhindern war nie ihr Mandat — dafür hätte jemand die Verträge lesen müssen, bevor sie unterschrieben wurden.
Am Ende des Akts liegt das Feld voller Framework-Ordner. Die Rechnung der Kavallerie kommt später, sie ist aber schon geschrieben.